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Green-Economy - Nachrichten - Energieszenarien belegen: Laufzeitenverlängerung lohnt sich nicht
Politik / Wirtschaft
01.09.2010 - Energieszenarien belegen: Laufzeitenverlängerung lohnt sich nicht
Berlin - Die von den Befürwortern vielfach beschworenen volkswirtschaftlichen Vorteile einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke halten einer Überprüfung nicht stand, so lautet das Fazit einer ersten Bewertung der am Montag von den Gutachtern vorgelegten Energieszenarien, die die wissenschaftliche Grundlage für das geplante Energiekonzept der Bundesregierung bilden sollen.

Albert Filbert, Koordinator 2010 der 8KU führte hierzu aus: „Das maximale zusätzliche Wirtschaftswachstum, das eine Laufzeitverlängerung der Kernenergie erbringt, beträgt weniger als 1% - aber nicht jährlich, sondern verteilt auf 40 Jahre.“

Filbert weiter: „Ganz gleich, ob man die Szenarien mit den realen Zahlen des Jahres 2009 ver-gleicht oder ob man die Entwicklung innerhalb der Konjunkturprognosen der Gutachter an-schaut: Zu mehr als einem Fotofinish reicht der Vorsprung einer Laufzeitverlängerung gegenüber dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie nicht. Die Konjunkturprognosen schwanken in Deutschland innerhalb eines einzigen Jahres stärker, als der Maximalvorteil der Kernenergie über mehr als eine Generation.“

Die 8KU verwiesen ferner darauf, dass eine Laufzeitverlängerung auch in Bezug auf weitere zentrale Ziele der Energie- und Klimapolitik keine Im-pulse setze. Die verschiedenen Szenarien belegten, dass der Dauer der zusätzlichen Laufzeiten für die resultierenden CO2-Minderungen und Energieeinsparungen nur eine marginale Rolle zukomme.

Sehr viel stärker wirkten sich konkrete Maßnahmen und Programme zur Steigerung von Energieeffizienz, insbesondere in der Wärmedämmung von Häusern und Wohnungen aus, deren Wirkung aber unter Beibehaltung der Laufzeitbegrenzung in den Szenarien gar nicht erst in Betracht gezogen wurde.

Demgegenüber seien leider Zentralfragen für den Weg in eine moderne Energiezukunft offen-bar nicht weiter analysiert worden.

So finden sich nur vage Aussagen über Strate-gien zur Integration von Erneuerbaren Energien, insbesondere zur fluktuierenden Einspeisung von Windenergie, und gar keine zur angeblichen Flexibilität und Lastfolgefähigkeit der Kernenergie.

Ebenso unverständlich ist die Annahme, dass die installierte Windleistung an Land in allen dargestellten Szenarien selbst im Jahr 2040 mit 35,2 Gigawatt nur 9 Gigawatt über dem heutigen Wert liegen soll. Noch Anfang August hatte dem gegenüber die Bundesregierung nach Brüssel gemeldet, dass die Zielmarke von 35,7 Gigawatt bereits 2020 – zwanzig Jahre früher! – erreicht werde, ja ging davon aus, dass „die Entwicklung der Onshore-Windenergie ggf. schneller verlaufen und zu höheren installierten Leistungen führen“ könne.

Vollständig unbeachtet bleibe in den Szenarien die Bedeutung des Wettbewerbs für die volkswirtschaftliche Zielerreichung. So setze die Studie einen funktionierenden Erzeugerwettbewerb als Grundannahme nur voraus. Aber laut Bundeskartellamt und Monopolkommission gebe es den derzeit in Deutschland noch gar nicht. Auch werde mit keinem Wort der volkswirtschaftliche Nutzen einer modernen und innovationsorientierten Klima- und Energiepolitik herausgestellt.

Ein Energiekonzept für die Zukunft, so die 8KU, brauche mehr, als vages Raunen über angebliche Vorteile einer einzelnen Erzeugungstechnologie, die einer näheren Betrachtung gar nicht standhielten. Vielmehr seien – das zeigten die Szenarien sehr deutlich - systematische Ansätze von Bedeutung, insbesondere zur Steigerung von Energieeffizienz in der Wärmeversorgung. Hierzu zählen Impulse für die umweltfreundliche KWK verzahnt mit der Integration von Erneuerbaren Energien als Leitsystem einer modernen Energieversorgung in ein wettbewerbliches Marktdesign.

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