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Green-Economy - Nachrichten - DLG-Wintertagung 2012
Nachhaltige Landwirtschaft
17.01.2012 - DLG-Wintertagung 2012
Gegenwärtig wächst die Weltbevölkerung um eine Milliarde Menschen binnen zwölf Jahren. Die Lebenserwartung steigt überall. Dennoch vollzieht sich der Bevölkerungsanstieg fast ausschließlich in den Entwicklungsländern. Im Oktober 2011 kam der siebenmilliardste Erdenbürger auf die Welt. Statistiken der United Nations (UN) zufolge könnte sich die Weltbevölkerungszahl zum Ende diesen Jahrhunderts bei zehn Milliarden einpendeln. Danach ist ein Rückgang wahrscheinlich, wenn die jährlichen Wachstumsraten weiter sinken sollten. Heute müssen weltweit über eine Milliarde Menschen hungern, davon laut der UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO 62 Prozent in Asien, 30 Prozent in Afrika, sechs Prozent in Lateinamerika und zwei Prozent in den Industrieländern (Stand 2011). Kann die Landwirtschaft auf unserem Planeten in Zukunft alle Menschen überall auf der Welt ernähren? Welche verantwortliche Rolle spielt Europa heute und in Zukunft bei der Absicherung der Welternährung? Diesen zentralen Fragen gingen Landwirte, Wissenschaftler, Politiker, Beamte und Hilfsorganisationen auf der dreitägigen Wintertagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) vom 10. bis 12. Januar 2012 in Münster (NRW) nach. Die DLG ist mit über 23.000 Mitgliedern (Stand 2010) einer der größten Verbände der Agrar- und Ernährungswirtschaft Deutschlands.

Bundeslandwirtschaftsministerium kritisiert Reformvorschläge

Grußworte zur Hauptveranstaltung hielt neben DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer der Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums Peter Bleser. Agrarforschung, reduzierte Ernteverluste, bessere Lagerhaltung und Entwicklungszusammenarbeit in Form von landwirtschaftlichen Kooperationen mit anderen Staaten sind seiner Ansicht nach die Schlüssel für die Nahrungsmittelsteigerung durch nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft. Bei der Gelegenheit betonte er zum Ärgernis von Naturschutzverbänden, dass es vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums der falsche Weg sei, wenn die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) den Anbau nach 2013 durch breite Stilllegungen von Agrarflächen zwecks Ökologisierung reduzieren will.

Fakt ist, die Ernährungssicherheit bleibt trotz Bioenergieerzeugung und Ansprüchen des Klima-, Umwelt- und Naturschutzes die eigentliche Aufgabe der globalen Agrarwirtschaft. Fakt ist aber auch, dass die Auffassungen über die Zielerreichung und Verantwortung Europas unterschiedlicher nicht sein können. Die notwendige, aber nicht alleinige Bedingung für die gesicherte Versorgung der Menschheit ist die ausreichende Nahrungsproduktion, denn auch der Zugang zu Nahrung muss ökonomisch gegeben sein, indem Armut insbesondere in ländlichen Entwicklungsgebieten bekämpft wird und sich Strukturen und die Regierungsführung vor Ort wandeln. Derzeit ist es ein Verteilungsproblem, das eine Milliarde Menschen hungern lässt. Bei einer wachsenden Weltbevölkerung könnte zu dem Verteilungsproblem bereits 2050 auch ein Produktionsproblem kommen, das heißt, die landwirtschaftlich produzierten Mengen würden den empfohlenen Bedarf von 2250 Kilokalorien pro Kopf nicht mehr decken und dann schon circa 150 Kilokalorien darunter liegen. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der als Acker genutzte Flächenumfang etwa konstant geblieben. Durch kontinuierliche Produktivitätssteigerungen wird bis dato immer mehr Ertrag von den landwirtschaftlichen Nutzflächen geholt. Das ist aber auch notwendig, denn mit dem Bevölkerungswachstum werden pro Kopf immer mehr Lebensmittel nachgefragt. Zudem steigt der Konsum tierischer Produkte weltweit drastisch an. Knapper werdende Nahrungs- und Futtermittelmengen äußern sich momentan in den Preisen für etwa Reis, Weizen und Mais, die bis zur Jahrtausendwende nach unten tendierten; seit 2000 jedoch anziehen. Prognosen besagen, die Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts um 70 Prozent ansteigen. Gleichzeitig gewinnt der Trend der Bioenergie vom Acker an Bedeutung. In acht Jahren - bis 2020 - werden 15 Prozent des globalen Maises und Pflanzenöls sowie 30 Prozent des Rohrzuckers für Biosprit verwendet, so Vorhersagen von Prof. Dr. Matin Qaim, Leiter des Lehrstuhls Welternährungswirtschaft und Rurale Entwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen auf der DLG-Wintertagung 2012. Die Lösung des Problems sieht er einerseits in der Veränderung des Konsumverhaltens und andererseits in der weiteren Produktivitätssteigerung, also in noch mehr Ertrag von den begrenzten Ackerflächen.

Agrarforschung ausdehnen

Der Professor bemängelt, dass die oberste Priorität der Agrarforschung in den Industrieländern nicht mehr auf Ertragssteigerung liegt. Das ist umso fataler, als dass der Klimawandel die Ressourcenknappheit noch verschärfen und dem nicht mit geeigneten Forschungsergebnissen und nachhaltigen Technologien begegnet werden kann. Auch müssten die Agrarforschungsausgaben insgesamt deutlich ausgedehnt werden. Unter Nachhaltigkeit versteht er, dass knappe Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden, wobei sich Knappheiten mit der Zeit verändern und standörtlich unterscheiden. So besteht für Prof. Quaim die Herausforderung in einem intelligenten Technologiemix aus Züchtung, Agronomie, Technik und weniger Chemie, indem chemisches durch genetisches Wissen einschließlich Gentechnik ersetzt wird. Von Relevanz sei es darüber hinaus, wo die Produktion gesteigert wird. In Entwicklungsländern sind landwirtschaftliches Wachstum und damit Einkommensmöglichkeiten auf dem Land so wichtig, weil dort fast alle armen, hungernden Menschen leben, dort das Bevölkerungswachstum stattfindet und dort die Effekte des Klimawandels am stärksten negativ sein werden. Ernährungssicherheit bedeutet für Prof. Qaim aber nicht Selbstversorgung, so wie Handel keine Nahrungsmittelhilfe ist. Stattdessen müsse der Fokus auf den technischen Fortschritt im Kleinbauernsektor der Entwicklungsländer gerichtet werden. Dennoch, für den gefüllten "globalen Brotkorb" trägt auch eine noch produktivere und effizientere Landwirtschaft in Europa - gerade auf Gunststandorten - hohe Verantwortung. Störend wirken sich dabei ideologische Grabenkämpfe hinsichtlich neuer Technologien wie Gentechnik aus. Keine Technologie sollte auf dem Weg zu verbesserter Nachhaltigkeit von vornherein ausgeschlossen werden, so endete der Vortrag des Professors, dessen Ansichten von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, der selbst Landwirt ist, weitestgehend geteilt werden. In dem gleichnamigen Buch zur DLG-Wintertagung 2012 unter dem Motto "Welternährung - Welche Verantwortung hat Europa?" schreibt der DLG-Präsident, dass die Europäische Gemeinschaft überraschenderweise weltgrößter Nettoimporteur für Agrargüter ist. Europa produziert demnach weniger als es verbraucht und verteuert durch die zusätzliche Nachfrage die Agrarprodukte, so dass sich die Armen und Hungernden noch weniger leisten können. In der Konsequenz wird die außereuropäische Agrarproduktion erhöht und auf weniger produktionswürdige Standorte ausgedehnt, die bislang anderen Zielen wie Klima- und Naturschutz dienten. Das Buch zum Nachlesen der Hauptvorträge sowie einer Vielzahl weiterer interessanter Beiträge erschien im DLG-Verlag (ISBN-Nr. 978-3-7690-4071-5, 224 Seiten, Preis: 26 Euro).

Hoher Fleischkonsum in Europa wirkt sich contraproduktiv aus

Mit Europas Rolle auf dem Weltmarkt und den politischen Dimensionen des internationalen Agrarhandels befasste sich der Grünen-Abgeordnete im Europäischen Parlament Martin Häusling auf der Hauptveranstaltung der DLG-Wintertagung 2012. Obwohl es das UN-Millenniumsziel war, die Zahl der Hungernden zu halbieren, überschritt die Zahl der Hungernden 2009 die Milliardengrenze. Das Ziel der Halbierung müssen wir uns nach wie vor setzen, sagte das Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP). Kann Europa als Nettonahrungsmittelimporteur, speziell von Eiweißfuttermitteln für die Fleischproduktion, überhaupt zur Welternährung beitragen? Die Flächen fehlen schließlich zur Ernährung der Bevölkerung vor Ort. Die intensive tierische Erzeugung verursacht zudem Wasserverbrauch und Treibhausgas-Emissionen. Und, eine Kalorie Rindfleisch geht auf Kosten von zehn Kalorien Getreide! Die durch Umwandlung von pflanzlichen in tierische Lebensmittel verloren gehenden Kalorien könnten theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren. Folglich zerstören Europas Fleischüberschüsse die Märkte in weniger entwickelten Ländern. Auch „zuhause“ kann von Fair-Trade nicht die Rede sein, so Häusling, denn beim Landwirt kommen nur Bruchteile der Verkaufserlöse für Fleisch und Milch als so genannte Erzeugerpreise an. Außerdem benötigt die EU Agrarfläche für Bioenergie; ein Großteil wird wieder über Importe gedeckt werden. Häuslings Forderung lautete, keine Fleisch- und Biomasseproduktion auf Kosten von Hungernden in anderen Regionen. Wir brauchen keine Ertragssteigerungen, sondern andere Fütterungs- und Ernährungsformen um nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Zudem ist eine blinde Handelsliberalisierung, die weder den Erzeugern der EU noch in Entwicklungsländern nützt, kein Beitrag zur Lösung. Stattdessen sprach sich der Abgeordnete für lokale Märkte und regionale Wertschöpfung in Nord und Süd aus. Europas Verantwortung liegt für ihn zuallererst in einer nachhaltigen, effizienten und fairen Nutzung seiner eigenen Ressourcen. In eine ähnliche Richtung gingen die Statements der Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann: Die ungleiche Einkommensverteilung wie auch die landwirtschaftliche Überproduktion in Industrieländern könne den Hungernden in den armen Ländern nicht helfen, sagte sie. Steigende Nahrungsmittelpreise infolge der zu großen Abhängigkeit der Entwicklungsländer vom Weltmarkt führten zu noch mehr Hungernden. Als Erfolgsfaktor in Entwicklungs- und Schwellenländern betrachtet sie die grundlegende Bildung des Lesens, Schreibens und Rechnens, um Wissenstransfer überhaupt erst zu ermöglichen, weil erst dann Know-how aufgenommen werden kann.
[GK]

Weitere Informationen finden Sie hier: The European Circle
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